Glyphosat: So gefährlich ist der Unkrautvernichter


Es ist der am meisten verkaufte Unkrautvernichter aller Zeiten, hat Millionen in die Kassen seines Herstellers Monsanto gespült und 2017 das politische Klima in Deutschland fast vergiftet: Glyphosat ist nach wie vor auf deutschen Feldern und somit in aller Munde. Kaum ein anderes Thema aus der Landwirtschaft löst in Wissenschaft und Gesellschaft so heftige Kontroversen aus wie das Pflanzengift. Doch was genau ist Glyphosat eigentlich und welche Wirkung hat es auf Tiere, Menschen und die Umwelt?

Was ist Glyphosat?

Man kann sagen, dass Glyphosat im Bereich Unkrautvernichtung so etwas ist wie Tempo unter den Taschentüchern. Kein anderes Mittel gegen Unkraut wird so häufig eingesetzt wie das Herbizid aus dem Hause Monsanto. Der Agrarkonzern hat es unter dem Namen „Roundup“ entwickelt, sich damit eine goldene Nase verdient und (unter anderem deshalb) einen schlechten Ruf erworben. Mittlerweile stellen aber auch zahlreiche andere Firmen Herbizide her, in denen Glyphosat zumindest enthalten ist. Aus chemischer Sicht handelt es sich bei dem Pflanzengift um eine Verbindung aus Phosphaten. Jedes Gewächs, das mit ihm in Berührung kommt, welkt dahin. Glyphosat tötet alle Pflanzen, die mit ihm behandelt werden. Ausnahme sind gentechnisch veränderte Pflanzen. Im Vergleich zu anderen Herbiziden hat es eine geringe Wirkdauer und ist nicht tödlich für Tiere. Dennoch ist der Unkrautvernichter im Laufe der Jahre stark in Verruf geraten. Neben der Massentierhaltung, Tierversuchen und Tiertransporten gibt es wohl kaum ein Thema aus dem Bereich Landwirtschaft, das die Menschen so bewegt.

Warum Glyphosat umstritten ist

 

Glyphosat wird auf einem Feld verspritzt

Glyphosat kommt seit den 70er-Jahren auf den meisten deutschen Äckern zum Einsatz
© istockphoto.com/Leonid Eremeychuk

So wirkt Glyphosat auf Tiere

Auch wenn Glyphosat für Tiere eigentlich nicht giftig ist, steht es in Verdacht, ihnen zu schaden. So wurde das Pflanzengift in den 90er-Jahren mit einem massenhaften Rindersterben in Verbindung gebracht. Der Zusammenhang konnte jedoch nicht erwiesen werden. Sicher ist hingegen, dass das Pflanzengift den Lebensraum vieler Insekten und anderer kleinerer Tiere einschränkt. Wo es kaum noch Wildpflanzen gibt, finden Insekten und Vögel weniger Nahrung. Die Liste der bedrohten Tierarten wächst auch hierzulande. Fairerweise muss jedoch auch gesagt werden, dass Glyphosat wohl noch das geringste Übel ist. Viele andere Pflanzenschutzmittel, die auf dem Markt sind, sind für Insekten, Vögel und andere Tiere hochgiftig.

So wirkt Glyphosat auf den Menschen

Durch den Verzehr von gespritztem Obst, Gemüse und vor allem Getreide und Hülsenfrüchten gelangt Glyphosat in den menschlichen Körper. Das Umweltinstitut München fand sogar Rückstände des Pflanzengifts im Bier. Ist Glyphosat schädlich für Menschen? Zu dieser Frage liefern Studien unterschiedliche Ergebnisse. Großes Aufsehen gab es, als die Internationale Krebsforschungsagentur IARC, die zur WHO gehört, Glyphosat als wahrscheinlich krebserregend einstufte. Die Behörde stellte fest, dass das Pflanzengift Zellen so verändern kann, dass Krebs entsteht. Andere Studien, beispielsweise von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) oder dem Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) gaben jedoch Entwarnung. Die Dosierung müsste ungewöhnlich hoch sein, damit man wirklich von einer Gesundheitsgefährdung sprechen könne.

Die politische Debatte rund um Glyphosat

Zu Gift bei den anstehenden Sondierungsverhandlungen zwischen Union und SPD kam es Ende 2017. Die Europäische Union sollte nämlich entscheiden, ob die Zulassung von Glyphosat auf weitere fünf Jahre verlängert werden soll. Landwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU) stimmte der Verlängerung zu und setzte sich damit über die Bundesregierung hinweg. SPD-Umweltministerin Barbara Hendricks war gegen die Verlängerung. Laut Geschäftsordnung der Bundesregierung hätte sich Deutschland bei Uneinigkeit zwischen den beiden Ministerien bei der Abstimmung enthalten müssen. Schmidts Alleingang sorgte daher parteiübergreifend für Empörung. In der EU stimmten neben Deutschland 17 weitere Länder für eine weitere Zulassung, 9 sprachen sich dagegen aus. Glyphosat wird sich also zumindest die nächsten fünf Jahre noch nicht vom Acker machen.

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