Kosmetik ohne Tierversuche


Morgen um halb sieben im Badezimmer kommt einem vermutlich nicht unbedingt der Gedanke, aber womöglich in einer ruhigen Minute auf dem Sofa und mit etwas Hintergrundwissen bald auch beim Einkauf in Drogerie oder Parfümerie: Wieviel Tierversuch steckt eigentlich in meinem Lieblingslippenstift oder Lieblingskajal?

EU-Gesetzgebung zu Kosmetik ohne Tierversuche

Die Frage ist 2017 weniger virulent, als sie es zu einer Zeit gewesen ist, als Kosmetika, die in Tierexperimenten getestet wurden, noch nicht verboten waren. Ganz hat sie sich aber auch nicht mit den 2004, 2009 und 2013 verabschiedeten EU-Gesetzen gegen Tierversuche erübrigt. Aber der Reihe nach:

  • Seit 2004 dürfen in der EU keine fertigen Kosmetikprodukte mehr in Tierversuchen getestet werden.
  • Seit 2009 gilt das Tierversuchsverbot auch für die Prüfung von kosmetischen Inhaltsstoffen, das heißt von chemischen Stoffen wie zum Beispiel Sonnenschutzfiltern oder Konservierungsmitteln.
  • Seit 2013 sind EU-weit Kosmetika verboten, für deren Inhaltsstoffe nach diesem Datum Tierversuche durchgeführt wurden.

Mit dieser Gesetzgebung sind auf Drängen der europäischen Tierschutzverbände und anderer Organisationen große Fortschritte zur Vermeidung unnötigen Tierleids und für mehr Tierschutz gemacht worden. Ganz ohne Schlupflöcher ist aber auch diese Gesetzgebung nicht: Werden Inhaltsstoffe auch in nicht-kosmetischen Produkten wie Lacken oder Wandfarbe verwendet, fallen sie unter das Chemikaliengesetz und können in Tierexperimenten getestet werden. Auch können europäische Firmen für Absatzmärkte wie China, in denen Tierversuche zwingend vorgesehen sind, weiterhin Tierversuche in Auftrag geben können.

Für Verbraucherinnen und Verbraucher bedeutet das, dass sich die Situation in der Parfümerie, in der Drogerie und sogar im Naturkostladen nicht immer eindeutig darstellt. So können Kosmetika „alte“ Substanzen enthalten, die bereits in Tierversuchen getestet worden sind oder über das Chemikaliengesetz in Tierexperimenten getestet wurden. Außerdem kann es sein, dass eine durchaus aufgeklärte Verbraucherin oder ein aufgeklärter Verbraucher unwissentlich Tierexperimente unterstützt, weil die Herstellerfirma des Produkts ihrer oder seiner Wahl im Ausland Tierversuche in Auftrag gibt.

Was Verbraucherinnen und Verbraucher tun können

Tierversuche für Kosmetik sind nicht mehr zulässig.

Die EU-Gesetzgebung gegen Tierversuche für Kosmetika hat sich in den letzten Jahren stark verbessert. (©istockphoto.com_balajaku)

Positivlisten der Tierschutzorganisation PETA oder vom Deutschen Tierschutzbund gehen dieses Dilemma proaktiv an und listen Firmen auf, die sich umfassend gegen Tierversuche aussprechen. Der Deutsche Tierschutzbund nennt als Kriterium für die Firmennennung eine rechtsverbindliche Erklärung, dass keine Tierversuche für Entwicklung und Herstellung der Endprodukte durchgeführt werden und keine Rohstoffe verarbeitet werden, die nach dem 1.1. 1979 im Tierversuch getestet wurden. PETA listet Firmen auf, die schriftlich versichert haben, dass sie „keine Tierversuche durchführen, in Auftrag geben oder dafür bezahlen.“ Der Deutsche Tierschutzbund und andere Organisationen machen sich außerdem für die Entwicklung tierversuchsfreier Testreihen mit künstlichen Hautmodellen oder Zellkulturen stark.

Hundertprozentig sicher, Kosmetik ohne Tierversuche zu benutzen oder zu erwerben, kannst Du als Verbraucherin oder Verbraucher allerdings nur sein, wenn Du auf Produkte zurückgreifst, die mit einem Vegan-Gütesiegel oder einem Siegel für tierversuchsfreie Kosmetik ausgezeichnet sind. Dazu gehören:

    1. DerLeaping Bunny“: Das Siegel mit dem springenden Kaninchen ist die bislang einzige internationale Kennzeichnung für tierversuchsfreie Kosmetik. Es wird von der Coalition for Consumer Information on Cosmetics (CCIC) an Unternehmen vergeben,die sich verpflichten, keine Tierversuche durchzuführen, in Auftrag zu geben oder sich daran zu beteiligen. Das gilt für ausnahmslos für alle Inhaltsstoffe und Endprodukte.
    2. Das Kaninchen mit schützender Hand: Das Kennzeichen mit dem niedlichen Kaninchen wird nach den Richtlinien des Deutschen Tierschutzbundes und des Internationalen Herstellerverbands für tierschutzgeprüfte Naturkosmetik, Kosmetik und Naturwaren e.V. vergeben. Die Vergabekriterien gehen über die gesetzlichen Vorgaben hinaus. So dürfen die Herstellerfirmen keine Produkte in Länder, in denen noch Tierexperimente unternommen werden, exportieren.
    3. Die Veganblume: Das Siegel der Vegan Society zeichnet Marken aus, die gleichzeitig für vegane Kosmetik und für Kosmetik ohne Tierversuche stehen. Für dieses Kennzeichen müssen Produktionsprozesse und Substanzen vegan und tierversuchsfrei sein.

Naturkosmetik ist – entgegen so mancher Erwartung – nicht automatisch tierversuchsfrei. Zum einen ist der Begriff nicht geschützt, zum anderen können auch Produkte mit dem anerkannten BDIH-Siegel Inhaltsstoffe enthalten, die vor 1998 an Tieren getestet wurden. Bei einem Unternehmen wie Weleda, das auch eine medizinische Sparte im Untenehmensportofolio hat, kann es in diesem Bereich zu gesetzlich geforderten Versuchsanordnungen kommen, die nicht im Sinne des Tierschutzes sind.

Trotz dieser Grauzonen ist zertifizierte Naturkosmetik für kritische Verbraucherinnen und Verbraucher eine Orientierungshilfe und ein hochwertiges Angebot im Dschungel der Produktwelt. Mit dem Wissen um die Gütesiegel und der Positivliste in der Hand – oder der entsprechenden App auf dem Handy – lassen sich in Drogerien, in Naturkostläden oder in Reformhäusern Marken wie zum Beispiel Lavera, Speick, Benecos, Dr. Hauschka, Santé oder Dr. Bronner finden. Wenn dann noch ein niedlicher Hase oder eine Veganblume drauf ist, umso besser!

Unterstütze auch Du Kosmetik ohne Tierversuche und schau beim nächsten Einkauf genau hin!

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