Mikroplastik


Ganz schön viel Plastikmüll

Jede Geschichte birgt andere Geschichten. Zum Beispiel die Geschichte von Susanne B. : Susanne ist eine sympathische junge Frau, die in der Medienbranche arbeitet. Sie schwört auf ihr eingespieltes, morgendliches Pflegeritual aus Zähneputzen, Duschen und Fertigmachen für’s Büro. Dazu benutzt sie unterschiedliche Produkte wie Shampoo, Duschgel, Körperlotion, Make-up und Lipgloss. Nach Feierabend geht Susanne gerne zum Workout ins Fitnessstudio. Anschließend trifft sich manchmal mit Freunden zum Essen in neuen Restaurants. Fischgerichte mag sie besonders gern. Über die Inhaltsstoffe in ihren Körperpflegeprodukten und Kosmetika hat sie sich noch keine Gedanken gemacht.

Mikroplastik im Meer

Wer Fisch isst, der konsumiert auch Mikroplastik © istockphoto.com/clintspencer

Eine „Geschichte in der Geschichte“ ist die vom Mikroplastik, das in Susannes Alltag unterhalb der Aufmerksamkeitsschwelle munter zirkuliert. Unter „primärem Mikroplastik“ verstehen Umweltorganisationen wie der BUND alle synthetischen Kunststoffe, die kleiner als 5 Millimeter sind und weiterverarbeitet werden. Industriell gefertigtes Mikroplastik wird in vielen Kosmetika und Körperpflegeprodukten großer und kleiner Hersteller in unterschiedlichen Formen eingesetzt. Bei Produkten wie einem Duschgel mit „Massageperlen“ oder einem Peeling für das Gesicht oder der Körper lässt sich eine Form des Mikroplastiks – Mikropellets aus Polyethylen – mit dem bloßen Auge erkennen und auf der Haut erspüren.

Synthetische Kunststoffe machen Pflegeprodukte geschmeidig

Andere synthetische Kunststoffe werden weit weniger offensichtlich in flüssiger oder gelartiger Form als Füllmittel, Filmbildner und Viskositätsregulatoren in Kosmetika und Körperpflegeprodukte eingebracht. In diesem Fall sind die synthetischen Partikel mikroskopisch klein und mit dem Auge nicht zu erkennen.  Ihnen als Verbraucherin oder Verbraucher auf die Spur zu kommen, gelingt nur mit einem Blick auf die deklarierten und zu dechiffrierenden Stoffe in den Inhaltsdeklarationen. Viele Bezeichnungen von synthetischen Kunststoffen beginnen mit einem „P“ für „Polymere“ leider aber längst nicht alle. Hier hilft ein Einkaufsführer oder eine entsprechende App.

Inwiefern es nach der Lektüre noch ein Produkt mit primärem Mikroplastik für die eigene Körperpflege und dekorative Kosmetik sein soll – Wer cremt sich schon gerne mit synthetischem Kunststoff ein? – bleibt jedem und jeder einzelnen überlassen. Alternative Pflege- und Kosmetikprodukte ohne synthetische Kunststoffe werden seit einigen Jahren auch in Drogerieketten angeboten. Diese Produkte setzen zum Beispiel zur mechanischen Reinigung Jojoba-Perlen, Kieselerde oder zerriebene Walnussschalen ein.

mikroplastik Alternative Pflege

Mikroplastik – Alternative Pflegeprodukte © istockphoto.com/kerdkanno

Plankton, Muschel und Fisch nehmen Mikroplastik auf

Wer keine Alternative im Umgang mit Mikroplastik hat, ist die Umwelt. Die meisten Kläranlagen sind nicht in der Lage, die mikroskopisch kleinen, synthetischen Partikel zu filtern. Das Mikroplastik aus dem Hausgebrauch landet so ungefiltert über das Abwasser in den Flüssen und Meeren. Hier können die einzelnen Partikel auf natürlichem Weg zwar abgeschliffen, nicht aber abgebaut werden können. Zusammen mit Umweltgiften, die sich in besonders hoher Konzentration an die Partikeloberflächen heften, gelangt der synthetische Kunststoff in den Magen-Darm-Trakt von aufnehmenden Meeresorganismen, zum Beispiel Plankton, Muscheln, Fische oder Seehunden. Dies führt zu toxikologischen Veränderungen bis hin zu inneren Verletzungen und Todesfällen.

Mit dem Einbringen von Mikroplastik in die Nahrungsmittelkette – Fische ernähren sich von Plankton, Raubfische ernähren sich von Fischen, Menschen ernähren sich von Raubfischen – gelangen die synthetischen Kunststoffe und die Umweltgifte letztendlich dort, wo der ökologische Missstand seinen Ursprung hat: beim Menschen. Dabei muss es nicht immer ein Muschel- oder Fischgericht sein, das Mikroplastik nach dem Verursacherprinzip ungewollt an die Quelle zurückführt: Wissenschaftler einer deutschen Universität konnten Mikroplastik unter anderem in Milch, Bier, Softdrinks und Honig nachweisen.

Auswirkungen auf das menschliche Hormonsystem

Welche Auswirkungen primäres Mikroplastik auf den menschlichen Organismus hat, ist noch wenig bekannt. Vermutet wird eine ähnliche Beeinträchtigung des Hormonsystems wie bei Bisphenol A (BPA), einer Chemikalie, ohne die Hartplastik in der uns bekannten Form nicht möglich wäre. BPA wurde bereits im menschlichen Organismus nachgewiesen.

Umweltorganisationen wie BUND, NABU und Greenpeace fordern die Hersteller und die Verbraucherinnen und Verbraucher auf, das Einbringen von Mikroplastik in die Umwelt drastisch zu reduzieren, um die Umwelt nicht weiter zu belasten. Erste Erfolge konnten bereits erzielt werden: Zahnpasta ist in Deutschland seit Ende 2014 mikroplastikfrei und Konzerne wie Beiersdorf, Body Shop, dm, L’Oréal, Rossmann, Unilever und Yves Rocher haben zugesagt, in Zukunft in ihren Produkten auf Mikroplastik zu verzichten.

Was können Verbraucherinnen und Verbraucher tun?

Susanne hat bei den Produkten in ihrem Badezimmerschrank einen Codecheck gemacht und Produkte mit Mikroplastik ausgetauscht. Außerdem versucht sie, bei ihrem Workout auf Bekleidung aus synthetischen Kunstfasern zu verzichten, weil beim Waschen „sekundäres Mikroplastik“ in die Meere und Flüsse gelangt. Aber das ist eine andere Geschichte…

Mikroplastik auf Deiner Haut

Geht es Dir wie unserer Protagonistin Susanne B. aus unserer Geschichte „Ganz schön viel Plastikmüll“? Hast Du auch eine liebgewonnene Pflegeroutine und bist Dir jetzt wegen Mikroplastik nicht mehr mehr sicher, welche Gesichts- oder Körperpflege noch an Deine Haut – und in die Weltmeere – soll? Und mit welchem Make-up oder Lippenstift Du in den Morgen startest oder den Abend einläutest, ist Dir mittlerweile auch unklar?

Mikroplastik auf Deiner Haut

Mikroplastik aus Peelings, Geichtscreme und Körperlotion verschmutzt die Weltmeere. (©istockphoto.com-BlackJack3D)

In Gesichts- und Körperpeelings ist das Mikroplastik mit dem bloßen Auge zu erkennen, bei Pflegeprodukten wie Gesichtscremes oder Körpermilch lassen sich die umweltschädlichen Kunststoffteilchen, die unter anderem als Bindemittel für eine besonders cremige Konsistenz eingesetzt werden, weniger leicht ausmachen. So hat das subjektiv schöne Pflegeerlebnis leicht hässliche Folgen für die Umwelt, denn die Kunststoffpartikel landen über das Abwasser in die Weltmeere und verbleiben dort Millionen von Jahren. Plastik ist auf natürlichem Weg nicht abbaubar!

Mikroplastik in Inhaltsdeklarationen erkennen

Wie lassen sich nun aber Kunststoffe in Pflegeprodukten und in dekorativer Kosmetik erkennen? Der BUND hat dafür einen Einkaufsratgeber entwickelt. Die häufigsten Kunststoffe in Kosmetik – und ihre Abkürzungen –  sind:

  • Polyethylen – PE
  • Polypropylen – PP
  • Polyethylenterephthalat – PET
  • Nylon-12 – Nylon-12
  • Nylon-6 – Nylon-6
  • Polyurethan – PUR
  • Acrylates Copolymer – AC
  • Acrylates Crosspolymer – ACS
  • Polyacrylat – PA
  • Polymethylmethacrylat – PMMA
  • Polystyren – PS

Ein etwas genauerer Blick auf die Inhaltsstoffe des jeweiligen Pflegeprodukts gibt Aufschluss, ob die Feuchtigkeitscreme, die Körperlotion, das Deo oder der Lidschatten in Deiner Hand oder in Deinem Badezimmer Kunststoffteilchen enthält. Mit etwas Übung lassen sich die P’s schnell finden! Alternativ kannst Du auch mit dem Handy Codecheck nutzen. Die Preisklasse eines Produkts gibt übrigens keinen Aufschluss darüber, ob das Produkt mit Mikroplastik belastet ist oder nicht. Das hochpreisige Marktsegment ist auf der BUND-Liste ebenso vertreten wie die Marke aus der Apotheke oder die kostengünstige Eigenmarke der Drogeriekette.

Mikroplastik in Pflegeprodukten und dekorativer Kosmetik

Hier eine kleine Übersicht von Produktkategorien und Marken, bei denen Du es unter Umständen mit Mikroplastik in der einen oder anderen Form zu tun hast:

  • Peelings/Gesichtsreiniger: AOK, Avene, Balea, Bebe, Clinique, Eucerin, Garnier, Isana, La Roche Posay, Nivea, Shiseido, The Body Shop, Vichy, Yves Rocher
  • Gesichtspflege/Augenpflege:  Bioderma, Balea Man, CD. Eubos, Eucerin, frei öl, Kneipp, La mer. La Roche Posay. Louis Widmer, Nivea, Olaz, Rituals, Shiseido, Vichy
  • Duschgel/Pflegebad: Adidas, Axe, Balea Med, Caudalie, Dove, Duschdas, Nivea Men, Palmolive, Penaten Baby, Rival de Loop, tetesept
  • Puder/Make-up/Concealer/Rouge: Astor, Avene, Catrice, Clinique, Essence, Loreal, Manhattan, Maxfactor, Maybelline, Olaz, p2, Shiseido, The Body Shop, trend IT UP
  • Shampoo/Conditioner/Styling Creme/Haarspray : Nivea, Cien, Dove, Fructis, Louis Widmer, L’Oréal, LUSH, Nivea, Penaten Baby. Plantur, Schauma
  • Lidschatten/Mascara/Eyeliner/Augenbrauenstift: Astor, bareMinerals, Catrice, Essence, l’Oréal, Manhattan, Mary Kay, Maxfactor, Maybelline, NYX, p2, Shiseido, trend IT UP!
  • Lippenstift/Lipgloss/Lipliner: Astor Catrice, Essence, La Roche Posay, L’Oréal, Manhattan, Maybelline, Max Factor, p2, NXY, Shiseido
  • Körperpflege: babylove, Balea, Caudalie, Creme21, Dove, Eucerin, Garnier Body, HIPP Babysanft, La Roche Posay, Neutrogena, Rituals, The Body Shop, Yves Rocher
  • Sonnencreme: Beauty baby, Garnier, HIPP; Ladival, Nivea, SunDance, SunOzean, La Roche Posay, Lavozon, Louis Widmer
  • Fußpflege: Avon Foot Works, Balea, Kneipp, La mer , la Roche Posay, Neutrogena
  • Handpflege: Balea, Caudalie, CD, Dreumex, Dove, Florena, Handsan, Neutrogena, The Body Shop, Sebamed, Yves Rocher
  • Nagellack: Max Factor, Maybelline, Sally Hansen
  • Rasierschaum: Balea, Balea Man, Nivea, sebamed
  • Deodorants: Rexona, sebamed, sebamed for men
Naturkosmetik schont die Umwelt vor Schadstoffen.

Verbraucherinnen und Verbraucher können mit ihrem Konsumverhalten Weichen stellen. ©istockphoto.com-zoranm)

Hast Du Marken und Produkte auf der Liste wiedererkannt, die bei Dir im Badezimmer stehen oder die Du schon einmal in der Parfümerie, in der Drogerie oder im Supermarkt in der Hand gehalten hast? Nach eigener Aussage bemühen sich viele Konzerne, weniger Mikroplastik einzusetzen. Ein Blick auf die Inhaltsstoffe lohnt sich also auf jeden Fall. Wenn Du Dir ganz sicher sein möchtest, dass in Deinen Pflegeprodukten und in Deiner dekorativen Kosmetik garantiert kein Mikroplastik eingesetzt wird, bietet zertifizierte Naturkosmetik eine Alternative.

Naturkosmetik für den ökologischen Fußabdruck  

Marken wie Sante Naturkosmetik, Logona Naturkosmetik, Lavera Naturkosmetik und Weleda Naturkosmetik sind mittlerweile nicht nur in Biomärkten oder Reformhäusern zu finden, sondern mit einzelnen Produktkategorien auch in Drogerien und Supermärkten angekommen. Für die Tiefenreinigung setzen diese Marken unter anderem auf Tonerde, Kieselmineralien, Salz, getrocknete und gemahlene Nussschalen, Oliven-, Aprikosen- oder Traubenkerne statt auf Kunststoffpartikel.

Mit der Auswahl an Naturkosmetik bietet sich Dir eine Produktpalette, die sich perfekt für eine Pflegeroutine ohne Mikroplastik eignet und positiv auf Deinen ökologischen Fußabdruck einzahlt. Und dann ist da noch das: Ist die Vorstellung, sich die Lippen mit einem Lippenstift ohne Mikroplastik nachzuziehen nicht ungleich verführerischer als die Vorstellung, sich die Lippen mit einer Kunststoffschicht zu versiegeln? Was denkst Du?

In der nächsten Folge geht es um „Plastikfrei leben“! Da lernst Du unseren Protagonisten Sven kennen.

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