Mutation bei Tieren in Fukushima


Am 11. März 2011 hielt die Welt den Atem an: Ein Erdbeben löste einen Tsunami aus und leitete die Atomkatastrophe von Fukushima ein. In der Folge wurden weit mehr als 150.000 Menschen evakuiert. Für viele von ihnen ist ungewiss, ob sie jemals wieder in ihre Heimat zurückkehren können, denn das Gebiet um Fukushima ist kontaminiert. Weniger im Fokus steht das Schicksal der Tiere. Nicht nur, dass Hunderttausende Haus- und Nutztiere verendeten: Der  Atomunfall hat inzwischen für Mutationen bei Tieren in Fukushima gesorgt – und dennoch besteht Hoffnung, dass sich die Lage über die Jahre wieder „einrenkt“.

Was sind Mutationen?

Der Begriff „Mutation“ kommt vom lateinischen „mutare“: „(ver)ändern“. Wikipedia definiert den Begriff wie folgt:

Als Mutation wird in der Biologie eine spontan auftretende, dauerhafte Veränderung des Erbgutes bezeichnet.

Mutationen sind per se nichts negatives, ganz im Gegenteil: Nur durch Mutationen war und ist die Natur in der Lage, sich an wandelnde Konditionen anzupassen. Mutationen bei Tieren in Fukushima sind dagegen in der Regel negativer Art, handelt es sich hier fast ausschließlich um Missbildungen und Schäden, die die Population der Art bedrohen.

„Lebewesen mit Mutationen wachsen weniger effizient, sind weniger fähig, Nahrung zu fangen, und neigen dazu, nicht so lange zu leben. Die meisten Auswirkungen von Mutationen sind schädlich.“ Dieses Statement stammt von dem renommierten kanadischen Wissenschaftler Timothy Mousseau von der University of South Carolina. Er untersucht schon seit vielen Jahren in Tschernobyl die Folgen der nuklearen Katastrophe von 1986 und konstatiert dort Mutationen durch radioaktive Strahlung bei Säugetieren, Vögeln, Insekten und Pflanzen. Mittlerweile hat er auch viele Untersuchungen im verseuchten Fukushima durchgeführt und bereits zahlreiche Ergebnisse in Bezug auf Mutationen bei Tieren und Pflanzen vorgestellt.

Welche Tiere sind von Mutationen in Fukushima betroffen?

Zahlreiche Studien, die Strahlenexperte Mousseau und andere Forscher zu Mutationen bei Tieren in Fukushima durchführten, ergaben zum Beispiel:

  • Bei Bläulingen, einer Familie der Schmetterlinge, wiesen über die Hälfte der Population Missbildungen auf
  • Rauchschwalben waren stark in er Fruchtbarkeit beeinträchtigt, weiterhin wurden verlangsamtes Wachstum und eine höhere Sterberate konstatiert
  • Die hohe Strahlendosis führte bei Regenwürmern zu DNA-Schädigungen

Gleichzeitig schreibt Greenpeace in seiner Publikation „Radiation Reloaded“ von 2016, in dem die ökologischen Auswirkungen der Atomkatastrophe von Fukushima beleuchtet werden: „Die IAEO (Internationale Atomenergie-Organisation) hat erklärt, dass die Strahlung durch den Fukushima-Unfall höchstwahrscheinlich keine Auswirkungen auf die Tierwelt haben wird – gleichzeitig räumte sie ein, dass sich dies nicht auf Ökosysteme oder Populationen bezöge, man habe sich nur im engeren Sinne auf einzelne Tiere konzentriert.“

Fukushima auf der Landkarte

Es kam zu vielen Mutationen bei Tieren in Fukushima © istock/Tarık Kızılkaya

Normalität in Fukushima?

Für die Tiere in und um Fukushima besteht Hoffnung: „Fukushima war größtenteils ein Cäsium-Ereignis und Cäsium Radionuklide haben eine relativ kurze Halbwertszeit. Die Gegend wird sich daher auf natürliche Weise in einigen Jahrzehnten dekontaminieren, maximal innerhalb einiger hundert Jahre“, sagt Mousseau. Bei den Fischbeständen im Meer von Fukushima sind die Strahlenwerte schon seit Jahren wieder im normalen Bereich, da das Cäsium im offenen Meer sehr stark verdünnt wird.

So ist zu hoffen, dass die Lage in Fukushima sich stetig weiterverbessert und Mensch und Tier dort eines fernen Tages wieder in einer intakten Umwelt leben können.