Tiertransport in Deutschland – Rechtliches und Hintergründe


Umweltschützer prangern immer wieder unzumutbare Zustände beim Tiertransport in Deutschland an. Meist handelt es sich dabei um Viehtransporte zur Schlachtung. Auf Deutschlands Straßen unterwegs sind jedoch auch Zucht- und Masttiere, Sporttiere wie zum Beispiel Pferde auf dem Weg zum nächsten Rennen, Zoo- und Zirkustiere sowie Tiere, die mit ihren Herrchen umziehen bzw. verreisen. Es gibt sogar Unternehmen, die sich auf den Tierversand spezialisiert haben.

Zahlen zum Tiertransport in Deutschland

Tiertransport

Tiertransport in Deutschland. (c) iStock.com / zhangguifu

Es ist schwer zu bestimmen, wie viele lebende Tiere jährlich in Deutschland transportiert werden, da es kaum eine offizielle Statistik dazu gibt. Die letzten Zahlen, die der Deutsche Bundestag auf eine Anfrage der Grünen veröffentlicht hat, stammen aus dem Jahr 2013. Damals wurden innerhalb der Europäischen Union 100.000 Rinder, mehr als 12 Millionen Schweine sowie Ferkel und fast 900 Millionen Geflügel transportiert. Hinzu kommen Aus- und Einfuhren in Drittländer. Bei den Zahlen handelt es sich lediglich um Schlachttiere, die nicht die Gesamtheit der Tiertransporte in Deutschland abdecken.

Rechtliche Rahmenbedingungen für den Tiertransport in Deutschland

Zulässige Dauer der Tiertransporte
Gesetzliche Grundlage für den Tiertransport in Deutschland und seinen Nachbarländern ist die EU-Richtlinie 1/2005 (Tierschutztransportverordnung). Sie begrenzt den Transport lebender Tiere innerhalb eines EU-Landes auf acht Stunden. Generell muss die Dauer so kurz wie möglich gehalten werden. So sind beispielsweise an Grenzkontrollen Tiertransporte bevorzug zu behandelt. Ausnahmen sind dann möglich, wenn es zu unvorhergesehen Verzögerungen, wie zum Beispiel einen Unfall, kommt. Zudem erlaubt die Transportverordnung längere Transporte, wenn die Fahrzeuge über eine Belüftung und Tränkanlagen verfügen. Diese gesetzlichen Bestimmungen gelten unabhängig davon, ob das Fleisch der transportierten Tier traditionell oder als Bio-Ware angeboten wird. Die ökologischen Anbauverbände Bioland, Naturland und Demeter verpflichten sich jedoch selbst dazu, Tiertransporte auf vier Stunden und maximal 50 Kilometer zu begrenzen.
Weitere Bestimmungen
Die Tierschutztransportverordnung beinhaltet zudem unter anderem folgende Punkte:

  •  die Tiere müssen transportfähig sein
  •  sie dürfen beim Transport kein unnötiges Leid oder Verletzungen erleiden; die Transportmittel müssen entsprechend konstruiert sein
  • es darf keine Gewalt gegen Tiere angewendet werden
  • alle Personen, die mit den transportierten Tieren zu tun haben, müssen einen anerkannten Lehrgang absolviert haben
  • die Tiere verfügen entsprechend ihrer Größe und der geplanten Beförderung über ausreichend Bodenfläche und Standhöhe (konkrete Maßangaben sind nicht genannt)
  • auch die Transportunternehmer selbst unterliegen Bestimmungen; so benötigen sie eine behördliche Zulassung bei einer Strecke ab 65 Kilometern

Kritik am Tiertransport von Tierschützern

Die Tierrechtsorganisation PETA kritisiert unter anderem, dass die Bestimmungen schwammig, von EU-Land zu EU-Land unterschiedlich ausgelegt und unzureichend kontrolliert würden. Tatsächlich geht aus einer Anfrage der Grünen an den wissenschaftlichen Dienst des Bundestags aus dem Jahr 2014 hervor, dass fast 25 Prozent der kontrollierten Schweinetransporte die Vorschriften nicht einhielten. Bei den Schaf- und Rindertransporten wurden sogar noch mehr Verstöße festgestellt. Am häufigsten fanden die Kontrolleure überladene Transporter, mangelnde Versorgung mit Wasser, defekte Lüftungen und unzureichende Sicherung der Tiere vor. Auch der Platz, der Schweinen, Geflügel, Rindern und anderen Tieren beim Tiertransport zur Verfügung stehen, sei alles andere als artgerecht. „So hat ein Schwein mit etwa 120 Kilogramm nur 0,55 Quadratmeter Platz – also weniger als in etwa die Grundfläche einer Duschwanne. Oft verletzen sich die Tiere gegenseitig, da sie beispielsweise aus Platzmangel auf liegende Artgenossen treten“, schreibt PETA.

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