Tornados in Deutschland: Auswirkungen des Klimawandels?


Tornados haben 2016 in Deutschland für ziemlichen Wirbel gesorgt: Wie schon im Jahr zuvor haben mehrere Windhosen Häuser abgedeckt, Autos umgeworfen und große Schäden angerichtet. Die Häufung solcher extremen Unwetter wirft Fragen auf: Hat die Anzahl der Tornados in Deutschland zugenommen oder werden sie nur häufiger registriert? Und hat der Klimawandel etwas damit zu tun?

Klimawandel Tornado Deutschland

Der Klimawandel hat viele Auswirkungen: Gehören auch häufigere Tornados in Deutschland dazu? © istockphoto.com/clintspencer

Sind Tornados in Deutschland häufiger geworden?

Mehrere 100 Aufnahmen auf YouTube zeigen, wie Tornados durch Deutschland fegen. Die meisten davon stammen aus den vergangenen zwei Jahren. Ein Indiz, dass die Zahl der Wirbelstürme hierzulande zugenommen hat? Nein, sagt Andreas Friedrich, Tornado-Experte beim Deutschen Wetterdienst im Interview mit dem MDR. Oft handle es sich bei den vermeintlichen Tornados nur um Trichterwolken. Ob der Wolkenrüssel tatsächlich bis zum Boden reicht, wie dies bei einem Tornado der Fall sein muss, sei aus den Aufnahmen nicht immer ersichtlich. Zudem bezweifelt der Meteorologe, dass die Tornadohäufigkeit tatsächlich zugenommen hat. „In Deutschland hat man einen Effekt, den man Beobachtungseffekt nennen könnte. Denn wir haben inzwischen viel mehr Möglichkeiten, solche Tornados überhaupt zu entdecken“, erklärt er.

Tatsächlich wurden in Deutschland seit den späten 1990er Jahren mehr Tornados registriert. Aussagekräftige Statistiken gibt es keine. Um ein neues Phänomen handelt es sich jedoch nicht. So wütete 1968 ein Wirbelsturm bei Pforzheim, bei dem zwei Menschen ums Leben kamen und mehr als 400 Personen verletzt wurden. Anhand des entstandenen Schadens (etwa 65 Millionen Euro) wurde der Wirbelsturm in die zweithöchste Stufe der internationalen Fujita-Skala eingestuft. Diese gilt für Tornados mit einer Windgeschwindigkeit von 335 Stundenkilometern und mehr.

Mehr Tornados als Folge des Klimawandels?  

Klimawandel Tornado Schäden USA

Tornados und Klimawandel: Vor allem in den USA richten Wirbelstürme jedes Jahr große Schäden an © istockphoto.com/sshepard

Um zu verstehen, ob Tornados mit Klimawandel und Treibhauseffekt zusammenhängen, ist es zunächst wichtig zu wissen, wie Wirbelstürme entstehen. Tornados bilden sich aus sogenannten Superzellen, mächtigen Gewitterwolken. Drei Faktoren müssen hierfür aufeinandertreffen:

  1. Luftmassen mit jeweils unterschiedlicher Temperatur
  2. Winde in unterschiedlicher Höhe mit verschiedenen Richtungen und Geschwindigkeiten
  3. Eine Wolkendecke, die weniger als einen Kilometer hoch hängt

Der Unterschied zwischen einem Tornado und einem Hurrikan liegt übrigens vereinfacht ausgedrückt darin, dass sich Tornados über weitem und flachem Land bilden (daher kommen sie auch eher in Norddeutschland vor) und Hurrikans über dem Ozean entstehen.

Es stellt sich die Frage, ob solche Extremwetter-Ereignisse im Zuge der Klimaerwärmung häufiger geworden sind. Hierzu lohnt sich ein Blick in die USA, wo jährlich mehrmals große Tornados und Hurrikans durchs Land ziehen. Todesopfer und verwüstete Landstriche sind hier keine Seltenheit. Entsprechend weiter ist die Tornadoforschung in den USA. Eine Untersuchung der National Oceanic and Atmospheric Administration aus dem Jahr 2014 hat ergeben, dass die Anzahl der Tornados in den Vereinigten Staaten in den vergangenen 60 Jahren nicht zugenommen haben, dass sie jedoch konzentrierter auftreten. Wie und ob dies mit dem Klimawandel zusammenhängt, konnten die Forscher jedoch nicht abschließend klären.

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