Veganes Leben: Längst mehr als nur ein Trend


Vegan ernähren? Da bleiben ja nur Tofu und Körner! So oder so ähnliche Sprüche gepaart mit einem Naserümpfen ernteten Menschen noch vor 10 bis 15 Jahren, wenn sie sich für ein veganes Leben entschieden. Mittlerweile werden Veganer längst nicht mehr als kulinarisch-beschränkte Öko-Spinner abgestempelt. Zumindest in Großstädten sind vegane Restaurants ebenso selbstverständlich wie Griechen oder Italiener. Und immer mehr Menschen kommen auf den Geschmack. Die Gründe dafür sind vielfältig.

So verbreitet ist Veganismus

Fast jeder zehnte Deutsche verzichtet weitgehend auf Eier, Milch und andere tierische Produkte. Laut einer Erhebung des Instituts für Demoskopie Allensbach ernährten sich im Jahr 2017 840.000 Bundesbürger größtenteils vegan. Damit liegt Deutschland europaweit im oberen Feld. Nur im Land von Pizza und Pasta ist der Anteil höher: 10 Prozent der Italiener ernähren sich laut VEBU (Deutschlands größte Interessenvertretung vegetarisch und vegan lebender Menschen) ohne tierische Produkte. Weltweit gesehen hat Indien mit Abstand die Nase vorn: Hier führen 38 Prozent der Menschen ein veganes Leben, gefolgt von Israel (13 Prozent) und Taiwan (12 Prozent).

veganes Leben: eine bunte Auswahl an pflanzlichen Nahrungsmitteln

Ein veganes Leben muss nicht von Verzicht geprägt sein. Die Auswahl an nicht-tierischen Produkten ist riesig und lecker
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Auch ein Blick auf die Zahlen aus der Lebensmittelindustrie ist aufschlussreich. So waren 2015 5 Prozent aller neuen Produkte vegan. Der wichtigste Markt für nicht-tierische Lebensmittel in Europa ist Deutschland. Rund 18 Prozent der weltweit neu eingeführten veganen Lebensmittel wurden hierzulande auf den Markt gebracht. Immer mehr Unternehmen setzen auf den veganen Trend. Hinzu kommt, dass ein veganes Leben weit mehr betrifft als nur die Ernährung. Viele Veganer legen zum Beispiel Wert auf Kosmetik ohne Tierversuche, tragen kein Leder und verzichten generell auf Kleidung, die aus tierischen Materialien hergestellt wird.

Gründe für ein veganes Leben  

Der Tierschutz

Der Hauptantrieb für ein veganes Leben ist bei einem Großteil der Betroffenen moralischer Natur. Für sie ist nicht nur das Schlachten von Tieren ein Gräuel, sondern generell die Massentierhaltung, Tiertransporte und die Tatsache, dass Tiere zur Nahrungsmittelproduktion gezüchtet werden. Kühe sind durch künstliche Befruchtung quasi dauerhaft schwanger, um durchgehend Milch geben zu können. Kälber werden kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt und haben im besten Fall ebenfalls ein Dasein als Milchkuh vor sich. Die Alternative ist der Weg zum Schlachthof. Hühner fristen ihr Dasein in Legebatterien. Männliche Küken kommen in den Schredder oder werden vergast. All das sind Punkte, warum Menschen ein veganes Leben vorziehen.

Die Gesundheit

Lebensmittelskandale von Gammel-Döner bis Pferdelasagne lassen vielen Menschen die Fleischeslust vergehen. Wer Antibiotika sucht, wird im Kuhstall häufiger fündig als im Arzneischrank. Zivilisationskrankheiten wie Übergewicht, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Diabetes haben eine ihrer Hauptursachen in der tierisch geprägten Ernährung. Auch gesundheitliche Gründe bewegen viele Menschen zu einem veganen Leben. Sie fühlen sich fitter mit rein pflanzlicher Kost, berichten, besser zu schlafen und eine schönere Haut zu haben.

Der Umweltschutz

Dass die industrielle Tierhaltung und Landwirtschaft einer der Hauptverursacher von Treibhausgasen ist, ist mittlerweile unbestritten. Hinzu kommt, dass Nutztiere Unmengen an importiertem Soja fressen, für dessen Anbau die Menschen in Entwicklungsländern von ihren Grundstücken vertrieben werden. Auch der Wasserverbrauch ist enorm. So sind rund 150.000 Liter nötig, um ein Kilo Rindfleisch zu „erzeugen“.

Humanitäre Gründe

Eng damit verbunden sind humanitäre Gründe. Je mehr tierische Produkte wir essen, desto weniger Menschen werden rund um den Erdball satt. Der Grund: Ein Großteil der Anbaufläche wird dafür genutzt, Futter für unser Futter zu produzieren: also Nahrung für all unsere Nutztiere. Um das Welthungerproblem zu lösen, müsste der Anteil tierischer Nahrung drastisch zurückgehen.

Ob nun aus moralischen, gesundheitlichen oder aus Klimaschutz- und humanitären Gründen: Immer mehr Menschen entscheiden sich für ein veganes Leben – ein Trend, der sich aller Voraussicht nach sicher weiter fortsetzen wird.