Warum gibt es keine Umweltplakette fürs Land?


Bereits im Jahr 2007 wurden in einigen deutschen Kommunen erste Fahrverbote aus Umweltgründen erlassen. Als dann zum 1.1 2008 die Umweltplakette für Kraftfahrzeuge eingeführt wurde, war die Diskussion darüber unter Autofahrern riesengroß. Heute denkt kaum noch jemand über den runden Aufkleber an der Frontscheibe nach. Beim Neuwagenkauf ist die Feinstaubplakette ohnehin mit dabei, in den meisten kleineren Städten gibt es so gut wie keine Umweltzonen und die Besitzer von Fahrzeugen mit schlechterer Einstufung haben entweder nachgerüstet oder sich irgendwie mit der Situation arrangiert. Doch es wird schon länger darüber nachgedacht, ob vielleicht auch für Naturschutzgebiete und ländliche Regionen Schutzzonen und eine Plakettenpflicht ausgewiesen werden sollte.

Was bezweckt die Feinstaubplakette?

Die Umweltplakette dient dazu, die Zufahrtsberechtigung zu einer Umweltzone zu kennzeichnen. Gesetzliche Grundlage ist die Fünfunddreißigste Verordnung zur Durchführung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes, kurz 35. BImSchV, umgangssprachlich auch Feinstaubverordnung genannt. Die Verordnung regelt das Einrichten von Umweltzonen in Deutschland. Der Gesetzgeber möchte damit Maßnahmen zur Einhaltung der Grenzwerte für Stickstoffoxid und Feinstaub ermöglichen.

Was regelt die Feinstaubplakette?

Es ist festgelegt, dass sich nur Fahrzeuge mit der entsprechenden Euro-Abgasnorm und entsprechendem Katalysator oder Rußfilter in Umweltzonen aufhalten dürfen. Besonders durch Feinstaub und Stickoxide gefährdete Bereiche müssen laut Verordnung durch ein Verkehrszeichen als „Umweltzone“ ausgewiesen sein. Ein Zusatzzeichen zum Schild zeigt an, welche Plaketten Fahrzeuge für die Zufahrt haben müssen.

Umweltplakette Stau im Verkehr

Durch starken Verkehr ist die Feinstaubbelastung in Städten sehr hoch: Die Umweltplakette soll helfen (c) Petra Bork / pixelio.de

Wie bekommt man eine Feinstaubplakette

Wer sich eine Feinstaubplakette zulegen will, um auch in ausgewiesenen Umweltzonen mit dem Auto unterwegs sein zu dürfen, kann dies beim TÜV oder eigentlich jeden normalen Werkstatt tun. Für etwa 5 Euro wird hier die, für das jeweilige Auto gültige, Umweltplakette angebracht. Alternativ kann man die Umweltplakette hier online bestellen. Hierfür muss man jedoch den Fahrzeugschein einscannen, so dass definitiv bestimmt werden kann, welche Schadstoffgruppe dem Fahrzeug zugewiesen werden kann.

Wie wird die Schadstoffgruppe ermittelt?

Die genau Zuordnung der richtigen Schadstoffgruppe hängt vom Emissionsschlüssel ab. Insgesamt gibt es drei verschiedene Farben für die Umweltplakette: Rot (Schadstoffgruppe 2), Gelb (Schadstoffgruppe 3), Grün (Schadstoffgruppe 4). Eine geringere Feinstsaubemission berechtigt für eine Umweltplakette mit höherer Schadstoffgruppe.

Emissionsschlüssel der jeweiligen Schadstoffgruppe:

Umweltplakette Stufe 2 Rot

Schadstoffgruppe 2

Diesel: 25-29, 35, 41, 71
LKW: 20, 21, 22, 33, 43, 53, 60, 61

Schadstoffgruppe 3

Umweltplakette Stufe 3 Gelb

Diesel ohne Russfilter: 30, 31, 36, 37, 42, 44-52, 72
Diesel mit Russfilter: 14, 16, 18, 21, 22, 25-29, 34, 35, 40, 41, 71, 77
LKW: 34, 44, 54, 70, 71

Schadstoffgruppe 4

Umweltplakette Stufe 4 Grün

Otto / Gas: 01, 02, 14, 16, 18-70, 71-75, 77
Diesel ohne Russfilter: 32, 33, 38, 39, 43, 53-70, 73-75
Diesel mit Russfilter: 49-52, 30, 31, 36, 37, 42, 44-48, 67-70, 32, 33, 38, 39, 43, 43-66
LKW mit Otto: 30-55, 60, 61, 70-91
LKW mit Diesel: 35, 45, 55, 80, 81, 83, 84, 90, 91

Umweltzonen in Deutschland (Stand Mai 2014)

In Deutschland gibt es derzeit 48 Gebiete, die als Umweltzone ausgewiesen sind. Die Feinstaubplakette ist keine generelle Pflicht für Autofahrer. Wer nie in Städte oder Regionen mit Zufahrtsbeschränkungen fährt, kann sich die Umweltplakette getrost schenken. Wird man allerdings ohne Kennzeichnung in einer Umweltzone erwischt, droht ein Bußgeld.

Deutsche Umweltzonen der Stufe 3:

  • Freiburg
  • Heidelberg
  • Heidenheim
  • Heilbronn
  • Herrenberg
  • Ilsfeld
  • Karlsruhe
  • Leonberg/Hemmingen und Umgebung
  • Ludwigsburg und Umgebung
  • Mannheim
  • Mühlacker
  • Pfinztal
  • Pforzheim
  • Reutlingen
  • Schwäbisch Gmünd
  • Stuttgart
  • Tübingen
  • Ulm
  • Urbach
  • Wendingen
  • München
  • Berlin
  • Bremen
  • Frankfurt a. M.
  • Wiesbaden
  • Hannover
  • Osnabrück
  • Dinslaken
  • Krefeld
  • Mainz
  • Leipzig
  • Halle (Saale)
  • Magdeburg
  • Erfurt

Deutsche Umweltzonen der Stufe 2:

  • Schramberg
  • Augsburg
  • Neu-Ulm
  • Bonn
  • Düsseldorf
  • Hagen
  • Köln
  • Langenfeld
  • Mönchengladbach
  • Münster
  • Neuss
  • Ruhrgebiet
  • Wuppertal

Geplante Deutsche Umweltzonen:

  • Darmstadt
  • Offenbach

Erfolg der Umweltplakette ist umstritten

Umweltplakette Wald Straße

Benötigt man wirklich eine Umweltplakette auf gering frequentierten Straßen? (c) Rike / pixelio.de

Der Nutzen der Feinstaubverordnung ist unter Wissenschaftlern nach wie vor umstritten. Belastungen durch Feinstaub und Stickoxide stellen zwar ohne Frage eine Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung dar. Die Zahlen darüber, wie viele Menschen jährlich aufgrund von Feinstaubemissionen früher sterben, sind allerdings recht widersprüchlich. Und dafür allein den Autofahrern die Schuld zu geben wäre falsch.

Zwar sind Kraftfahrzeuge zu einem deutlichen Anteil an Feinstaub- und Stickoxidemissionen beteiligt, jedoch tragen auch andere Bereiche wie Heizungsanlagen und Industriebetriebe in großem Maße zur Luftverschmutzung und zu Emissionen bei. Auch bei Kraftfahrzeugen kommt die Emission nicht allein aus dem Auspuff, sondern wird beispielsweise auch durch Abrieb von Reifen und Fahrbahnoberfläche erzeugt. All das sind Punkte, die durch eine Feinstaubplakette allein nicht verändert werden. Und bei allen Diskussionen über die Umweltplakette wird eines gern vergessen: die Umweltbelastungen, die durch Kohlendioxid entstehen, werden mit der Feinstaubverordnung überhaupt nicht tangiert.

Gefahren durch Kohlendioxid-Emissionen

Kohlendioxid-Emissionen leisten den größten Beitrag zum Treibhauseffekt und sind für die Natur gefährlicher als Feinstaub. Sie entstehen, wenn fossile Energieträger zur Energiegewinnung genutzt werden. Eine Verringerung kann letztendlich nur dadurch erreicht werden, dass weniger fossile Brennstoffe eingesetzt werden und der Fokus auf eine andere Art der Energiegewinnung gelegt wird. Zwar stoßen konventionelle Kraftfahrzeuge natürlich auch Kohlendioxid aus, im Vergleich zu Großkraftwerken oder Industrieanlagen ist ihr Anteil aber deutlich geringer. Die Industrie kann sich durch den Erwerb von CO2-Zertifikaten sozusagen „freikaufen“-was ein PKW-Pendler meist nicht kann.

Umweltplakette für das Land?

Umweltplakette Land Straße

Ein bewussterer Umgang mit Ressource wäre hilfreicher für Landgebiete (c) Rudolpho Duba / pixelio.de

Der Schutz unserer Umwelt ist wichtig. Aber ob ausgerechnet eine KFZ-Umweltplakette für Naturschutzgebiete oder ländliche Regionen das richtige Mittel ist, bleibt wohl mehr als fraglich. Nur ein generell sensiblerer Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen trägt auf Dauer zum Erhalt einer intakten Umwelt bei. Eine bunte Umweltplakette fürs Auto reicht für tiefgreifenden Umweltschutz nicht aus.

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